Samstag, 14. März 2026

Notfall-Rettung im Kinderzimmer: Warum unsere moderne Schule am „TikTok-Gehirn“ vorbeigeht

Manchmal fühle ich mich weniger wie ein Mathematiklehrer, sondern eher wie ein Notarzt für die Schullaufbahn.


In meiner täglichen Praxis als Privatlehrer im Kanton Zürich sehe ich immer öfter das gleiche Bild: Frustrierte Kinder und verzweilerte Eltern. Die Schüler kommen nicht zu mir, um ein bisschen „Zusatzwissen“ zu tanken. Sie kommen als Notfall-Rettung.

Dahinter steckt eine gefährliche Mischung aus digitalen Megatrends und einer Didaktik, welche die kognitive Realität unserer Kinder schlicht ignoriert.
 

Das „TikTok-Gehirn“ trifft auf den Lehrplan 21


Wir müssen der Wahrheit ins Auge blicken: Soziale Medien wie Instagram und TikTok haben die Gehirne einer ganzen Generation verändert. Der ständige Dopamin-Kick durch 15-Sekunden-Videos hat die Konzentrationsspanne und Frustrationstoleranz massiv schrumpfen lassen.

Was passiert, wenn dieses „TikTok-Gehirn“ auf die moderne Schule trifft?
 

  • Überforderung durch Selbstständigkeit: Die heutige Didaktik verlangt von Kindern, sich Inhalte selbst zu erarbeiten und ihren Lernalltag eigenständig zu organisieren. Doch genau diese Steuerungsfunktionen im Gehirn sind bei vielen Kindern durch die digitale Reizüberflutung blockiert. 
  • Überladene Lehrmittel: Moderne Mathematik-Bücher sind visuell unruhig, textlastig und springen im „Spiralprinzip“ ständig von Thema zu Thema. Für ein Kind, das ohnehin Mühe hat, den Fokus zu halten, ist das pures Gift.


Die „Durchlässigkeits-Falle“: Warum die Schwächsten am wenigsten üben


Ein besonders kritischer Punkt der Zürcher Schulentwicklung ist die angestrebte Durchlässigkeit. Um den Wechsel zwischen Sek A, B und C theoretisch jederzeit zu ermöglichen, wurden die Lehrmittel über die Stufen hinweg synchronisiert. Was auf dem Papier nach Chancengerechtigkeit klingt, ist in der Praxis fatal:

Früher gab es für das Niveau C spezifische, kleinschrittige Lehrmittel. Heute arbeiten oft alle Niveaus mit demselben Grundmaterial. Die Folge:
 

  • Das Tempo-Diktat: Weil C-Schüler für das Verständnis komplexer Inhalte mehr Zeit brauchen, lösen sie am Ende viel weniger Aufgaben als A-Schüler. 
  • Übungs-Mangel statt Förderung: Gerade jene Kinder, die mehr Wiederholung bräuchten, um Sicherheit zu gewinnen, kommen vor lauter Stoffmenge kaum zum Üben. 
  • Lückenhaftes Fundament: Sie „sehen“ zwar viele Themen, meistern aber keines richtig. Das rächt sich spätestens beim Einstieg in die Berufslehre.


Das vergessene Heilmittel: Das Üben


In der modernen Pädagogik gilt das klassische „Üben“ fast schon als altmodisch. Man will „entdeckendes Lernen“. Doch dabei wird eine psychologische Grundwahrheit vergessen: Wiederholung schafft Sicherheit. Sicherheit schafft Selbstvertrauen.

Gerade schwächere Schüler brauchen keine bunten Entdeckerreisen, sondern:
 

  • Klare Strukturen: Einfache Algorithmen statt fünf verschiedener Lösungswege. 
  • Automatisierung: Das gute alte Üben, bis das Einmaleins sitzt. Erst wenn die Basis automatisiert ist, wird im Kopf Platz frei für komplexe Aufgaben.

 

Mein „Erste-Hilfe-Paket“ für zu Hause


Wenn Sie merken, dass Ihr Kind in der „Notfall-Spirale“ steckt, können diese drei Sofortmassnahmen den Druck lindern:
 

  • Die 20-Minuten-Abklingzeit: Das Gehirn kann nicht per Knopfdruck vom „Scroll-Modus“ in den Lernmodus wechseln. Verordnen Sie eine bildschirmfreie Zeit von mindestens 20 Minuten, bevor mit den Hausaufgaben begonnen wird.
  •  Mut zur Lücke – Fokus auf die Basis: Lassen Sie sich nicht vom Lehrmittel hetzen. Wenn die Grundlagen nicht sitzen, macht die nächste komplexe Sachaufgabe keinen Sinn. Üben Sie lieber 10 Minuten lang konzentriert die Basis-Algorithmen.
  • Haptik schlägt Tablet: Greifen Sie bei Lernblockaden zu Stift und Papier oder physischen Hilfsmitteln (z.B. Legosteine für Brüche). Das macht abstrakte Mathematik buchstäblich „begreifbar“.


Mein Fazit: Die Zürcher Schule verliert die Kinder aus den Augen, die nicht in das Idealbild des „selbstorganisierten Lerners“ passen. Wir opfern die handfeste Ausbildung auf dem Altar einer theoretischen Durchlässigkeit. Wir müssen zurück zu einer Didaktik, die jedem Niveau sein eigenes Tempo und vor allem genug Zeit zum Üben zugesteht.

Wie erleben Sie den Schulalltag? Wird in der Schule noch genug geübt, oder muss das Wissen zu Hause „gerettet“ werden? Schreiben Sie es mir in die Kommentare!

Mittwoch, 28. Mai 2014

Wie lässt sich druckbedingtes Prüfungsversagen bekämpfen?

Die Grundlage dieses Blogeintrags bildet Sian Beilocks Buch «Choke». Sian Beilock ist eine führende Wissenschaftlerin im Bereich Prüfungsversagen unter Druck. Sie forscht als Professorin für Psychologie an der Universität Chicago.

Was sagt sie über die Ursachen von Prüfungsversagen unter Stress? Welche Vermeidungsstrategien schlägt sie vor?

Der präfrontale Kortex

Ein wesentlicher Bestandteil des Intelligenzquotienten (IQ) ist im präfrontalen Kortex des Gehirns lokalisiert. Hier befindet sich der Arbeitsspeicher unseres Denkapparats. Er bestimmt quasi die «kognitiven Pferdestärken» jedes einzelnen Menschen. In diesem Bereich wird Information kurzzeitig gespeichert, während gleichzeitig etwas anderes, Untergeordnetes bearbeitet wird. Unnötige Infos werden dabei verdrängt. Problemlösungsfähigkeiten und Textverständnis beispielsweise hängen unmittelbar von der Leistungsfähigkeit dieses Zwischenspeichers ab.

Der Arbeitsspeicher des Gehirns lässt sich also als eine Art Notizblock verstehen. Er hilft uns, wichtige Informationen im Kopf zu behalten, während eine spezifische Aufgabe verrichtet wird.

Kurz: Unsere akademische Leistungsfähigkeit wird offenbar massgeblich durch den Entwicklungsstand des präfrontalen Kortex bestimmt.

Wichtig: Der Arbeitsspeicher ist tranierbar, wie neuste wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen. Entsprechende Übungen scheinen sogar ADHS-Symptome zu lindern.

Mögliche Ursachen für Prüfungsversagen

Wenn wir uns Gedanken darüber machen, dass wir versagen könnten, ist die Wahrscheinlichkeit tatsächlich grösser, wirklich zu versagen.

Im Moment, wo Ängste und Selbstzweifel den Kopf fluten (Habe ich mich genügend vorbereitet? Was denken die andern, wenn ich scheitere?), wird es schwierig klar zu denken.

Wir können uns nicht gleichzeitig auf Selbstzweifel und die zu lösende Prüfungsaufgabe konzentrieren. Die aufkommende Angst blockiert den Arbeitsspeicher. Es bleibt kaum mehr Kapazität für die eigentliche Aufgabe.

Menschen, die sich stark reflektieren, laufen eher Gefahr, unter Stress an Prüfungen zu versagen.

Interessanterweise scheitern Menschen mit einem leistungsfähigen Arbeitsspeicher öfter unter Druck. Ein zu guter Arbeitsspeicher kann blockierend wirken, weil er das Finden aussergewöhnlicher Lösungswege hemmt. Wir sollten den Arbeitsspeicher also im richtigen Moment auch deaktivieren können.

Prüfungsversagen kann einerseits auftreten, wenn automatisierte (unterbewusste) Abläufe zu stark hinterfragt werden. Sian Beilock nennt diesen Effekt «paralysis by analysis». Andererseits können aber auch falsche, nicht hinterfragte Routinen zum Scheitern führen. In beiden Fällen wird der Arbeitsspeicher falsch verwendet.

Auch Stereotype wie «Mädchen sind schlecht in Mathe!» oder «Knaben lesen schlecht!»  können die Leistungsfähigkeit einer Person erheblich herabsetzen.

Gut zu wissen: Der persönliche Druck steigt, je mehr Leute von einer anstehenden Prüfung wissen.

Massnahmen, um druckbedingtem Prüfungsversagen zu begegnen 

Am effektivsten ist das Üben der Prüfungssituation unter möglichst realen Bedingungen.

Wir sollten Pausen einschalten, wenn eine Blockade eintritt. Generell sollten sich Examinanden Zeit für eine gründliche Analyse lassen: zuerst Informationen sammeln und ordnen, dann den geeignetsten Weg suchen. Vor dem Start durchatmen und einen Schritt zurück machen! Dieses Vorgehen entlastet den Arbeitsspeicher.

Ebenfalls entlastend wirken Notizen: nicht alles im Kopf behalten, sondern möglichst viele Fakten strukturiert aufschreiben. Dadurch wird der präfrontale Kortex befreit. Als Konsequenz davon werden weniger Informationen verwechselt bzw. vergessen.

Eingeübte Tätigkeiten verlassen den Bewusstseinsbereich mehr und mehr. Sie gehen ins Unterbewusstsein über und belasten dadurch den präfrontalen Kortex kaum mehr (gute Kopfrechner können sich deshalb besser auf eine neue mathematische Problemstellung einlassen).

Generell gilt: Wollen wir erfolgreich werden, muss das Gehirn trainiert werden («Übung macht den Meister!»). Dadurch werden neue, hilfreiche Verknüpfungen gebildet. Action-Computer-spiele zum Beispiel stärken die Intelligenz.

Das Gehirn wird ständig neu verschaltet. Damit wird unter Umständen der Grundstein für eine aussergewöhnliche Leistung gelegt.

Mit Tricks und Übung kann die wichtige Merkfähigkeit erheblich optimiert werden. Merktechnisch ist es hilfreich, Informationseinheiten zu bündeln, d.h., zu sinnvollen Einheiten zusammenzufassen.

In Stresssituationen kann, wie bereits erwähnt, ungewollt ein innerer Angstmonolog starten. Dieser Monolog blockiert die verbale Intelligenz mit Sitz in der linken Hirnhälfte. Da eine Gehirnhälfte nicht zwei Probleme gleichzeitig bearbeiten kann, sollte auf eine andere Gehirnregion ausgewichen werden. Rechnen wir beispielsweise vertikal, weichen wir auf die rechte, unbelastete Hirnhälfte aus.

Kurz: Wüten die Ängste in der linken Hirnhälfte, sollte auf die rechte Hirnhälfte ausgewichen werden. Dies tut man, indem die Problemstellung vertikal strukturiert wird.

So wird die rechte Hirnhälfte aktiviert, die für das räumliche Denken zuständig ist (Skizzen oder Tabellen erstellen). Das Ab- bzw. Umschreiben von Aufgaben hilft ebenfalls, dumme Fehler zu vermeiden. Die Schriftlichkeit fungiert dann als eine Art externer Speicher und entlastet den gestressten Arbeitsspeicher. 

Schreiben bewirkt Wunder  

Schreiben über persönliche Qualitäten und Einzigartigkeiten hilft, Selbstzweifel abzubauen. Wenn plagende Gedanken aufkommen, soll man sie in Worte fassen und dann loslassen.

Selbst das Reden über Ängste befreit. Werden wir uns unserer Ängste bewusst, ändert sich die Arbeitsweise des Gehirns unter Druck. Entsprechend ist es hilfreich, vor dem Test 10 Minuten lang Gedanken und Gefühle niederzuschreiben, welche die Prüfung betreffen. Je mehr man sich mit diesen Gefühlen und Gedanken befasst, desto besser. Gefühle in Worte zu fassen, beeinflusst die Art, wie das Gehirn mit Stressinfos umgeht.

Über sich aus verschiedenen Blickwinkeln nachdenken: 5 Minuten vor dem Test Mindmap erstellen darüber, was die eigene Persönlichkeit ausmacht.

Selbstzweifel können mit Meditation bekämpft werden. Man muss lernen, seine Gedanken auf die Aufgabe zu konzentrieren – und nur auf die Aufgabe.

Darüber nachzudenken, was zum Erfolg führen könnte, hilft ebenfalls, bessere Resultate zu erzielen.
Daran glauben, dass man die Aufgabe meistern kann. An erfolgreiche Momente in der Vergangenheit denken.

Man muss sich daran erinnern, dass man das nötige Wissen hat und man Herr der Lage ist. Dieser Gedanke kann den nötigen Schub an Selbstvertrauen geben.

Interpretation der Köpersignale: Stresssignale (nasse Hände, schneller Herzschlag) sollen positiv interpretiert und idealerweise mit positiven Ereignissen in Verbindung gebracht werden (als ich meine erste Liebe traf, hatte ich auch einen erhöhten Herzschlag).

«Just do it» – Nike. Routinefähigkeiten sollen nicht zu stark reflektiert werden.

Gerät man an eine neuartige, unvorhergesehe Aufgabe, muss ihr die volle Aufmerksamkeit gewidmet werden. Hier soll der ganze Arbeitsspeicher eingesetzt werden.

Längere stressfreie Phasen einschalten (Ferien). Nur so kann sich das Gehirn wieder regenerieren.

Menschen mit einem sehr leistungsfähigen Arbeitsspeicher überhitzen in Stresssituationen. Sie suchen zu weit und brauchen dadurch viel Energie. Sie ermüden in solchen Situationen rasch. Menschen mit weniger verfügbarem Arbeitsspeicher finden dafür häufig kreativere Lösungen.

Weitere Erkenntnisse 

Je älter ein Kind im Verhältnis zu seinen Kameraden ist, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass es überdurchschnittliche Leistungen erbringt. Ältere Kinder profitieren von der fortgeschrittenen Entwicklung ihres Gehirns.

Man muss sich also fragen, ob mit dem Überspringen von Klassen nicht einfach überragende Leistung neutralisiert wird.

Musikunterricht fördert das Zusammenspiel der Hirnhälften. Dies ist förderlich, weil der präfrontale Kortex erst nach der Pubertät voll ausgereift ist. Bis dahin übernehmen andere Regionen des Gehirns seine Aufgabe.

Knaben suchen eher nach Abkürzungen bei der Problemlösung. Mädchen halten sich an gelernte Wege. Dadurch können sie unter Stress in Zeitnot geraten.

Erfahrungen mit Legosteinen sind wichtig für die Entwicklung des räumlichen Vorstellungsvermögens. Knaben sind da eher im Vorteil.

Je später sich Kinder eine Fähigkeit aneignen, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie später in einer Prüfungssituation darin versagen.
Diese Erkenntnis spricht für Frühförderung.

Mittwoch, 13. Juni 2012

Prüfungsangst – Intelligente sind stärker betroffen

Am 3. Juni 2012 wurde in der Online-Ausgabe des Tagesanzeigers ein Artikel mit dem Titel «Wie man Prüfungsversagen in den Griff bekommt» publiziert. Er liefert eine mögliche Erklärung für ein Phänomen, das ich mir bis anhin nicht erklären konnte.

Seit Jahren bereite ich Schüler u.a. auf Aufnahmeprüfungen an Gymnasien vor (Kurzgymnasium, Langgymnasium, IMS, BMS, FMS und HMS). Die Quote ist sehr gut. Doch ab und zu scheitern Schüler, die meiner Meinung nach eindeutig in die Mittelschule gehören: Kinder, die schnell verstehen, komplexe Zusammenhänge leicht erkennen und Freude am Lernen und Denken haben. Ich konnte mir das Versagen dieser wenigen, aber klaren Fälle an wichtigen Prüfungen bis heute nicht erklären.

Der eingangs erwähnte Artikel liefert nun eine mögliche Erklärung. Die Psychologin Sian Beilock von der University of Chicago hat sich des Problems der Prüfungsangst angenommen.

Was geschieht während eines Tests, wenn Prüfungsangst auftritt? Nach Auffassung der Forscher blockiert der empfundene Druck Teile des Arbeitsgedächtnisses, das dann die eigene Leistung sabotiert.

Das Arbeitsgedächtnis ist unter anderem der Ort, wo Lösungen eines Problems oder einer Aufgabe bearbeitet werden. Intelligente Menschen verfügen über ein Arbeitsgedächtnis mit grösserer Kapazität. Da sie an komplexes Denken gewöhnt sind, weichen sie unter Druck nicht auf entlastende, einfache Denkstrategien aus. Die Versagensängste besetzen bei zunehmendem Stress offenbar einen wachsenden Teil dieses Gedächt­nisses. Der Zwischenspeicher wird überlastet und setzt sich so quasi selber ausser Gefecht.

Sian Beilock kommt zum Schluss, dass sich die Verkrampfungen durch simple Massnahmen lösen lassen. Diese Massnahmen interessieren mich natürlich brennend. Zurzeit lese ich ihr Buch, um mehr darüber zu erfahren. Fortsetzung folgt.

Freitag, 24. Februar 2012

Nützliche Apps für Schülerinnen und Schüler

Anbei eine Liste einiger meiner Meinung nach gelungener iPhone- und iPad-Apps für Schülerinnen und Schüler:

Vorschule:

Ab Unterstufe:
Hunderterfeld (nur fürs iPad)
Number Pyramid (generiert Zahlenpyramiden)
Save the Fish (Einmaleins)
2x2=4 (Divison, kleines Einmaleins)
Rocket Math (Kopfrechnen)
Mathaliens (Kopfrechnen)


Ab Mittelstufe:
iPercent (Prozentrechner)
Fractionator (stellt Brüche dar)
Symmetrizr (spiegelt nach Foto achsensymmetrisch)

Ab Oberstufe:
Math Solver  (löst Gleichungen nach einer Unbekannten auf)
Mathomatic (löst Gleichungen auf, vereinfacht, faktorisiert,...)
Prime Factor (zerlegt Zahlen in Primzahlen)
Graphite (stellt Funktionen dar)
Golden Ratio Phi (Goldener Schnitt anhand von Fotos erkennen)
Convex (verwandelt Grössen) 


Ab Mittelschule:

Allgemein kognitive Fähigkeiten:
Dr. Reichels IQ Test

Für Hinweise auf weitere Apps bin ich dankbar.


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Dienstag, 22. November 2011

Die Lehrstellensuche erfolgreich meistern

Im «Anzeiger» aus dem Bezirk Affoltern vom 15.11.2011 hat Jürg Büchi vom Lehrstellenforum wertvolle Hinweise zum Thema Lehrstellensuche aufgeführt. Im Folgenden möchte ich kurz auf einige wesentliche Punkte eingehen.

Der Schritt von der Schule in die Arbeitswelt ist gross. Schülerinnen und Schüler haben kaum eine Idee, wie diese Welt aussieht – woher auch?

Aus ihrer Schulzeit sollten die Jugendlichen der 2. Sekundarklassen wissen, wie es um ihre persönlichen Fähigkeiten steht. Fragen wie «Arbeite ich lieber im Team oder eher alleine?», «Mag ich sprachliche oder lieber naturwissenschaftliche Inhalte?», «Liegen meine Stärken im Detail oder bin ich eher eine Person fürs Grobe?» und dergleichen sollten sie jetzt für sich beantworten können. Kurz: Die Schulzeit muss den Jugendlichen aufzeigen, wo ihre Stärken und Vorlieben liegen. Nur wenn sie an diese anknüpfen können, werden sie erfolgreich in die Arbeitswelt eintauchen können!

Die Infos zum Zieljob müssen sich die Schülerinnen und Schüler aktiv beschaffen. Je besser sie diese Aufgabe meistern, desto präziser können sie das Anschreiben formulieren und desto treffender werden sie am Bewerbungsgespräch die Fragen beantworten können. Die Chance, die gewünschte Lehrstelle zu erhalten, steigt so erheblich (und im Gegenzug sinkt die Wahrscheinlichkeit eines Lehrabbruchs).
Zu Informationszwecken stehen den Jugendlichen verschiedene Quellen zur Verfügung. Neben dem BIZ sind dies zum Beispiel die Kompetenzprofile des kantonalen Gewerbeverbandes, die Jobskills, die Berufsbilder von mySchool (von SF1), spezifische Firmenwebsites, die Teilnahme am Berufsinfotag des Knonauer Amts oder der Besuch der Berufsmesse Zürich. Die Befragung von Lehrlingen ist meiner Meinung nach eine der besten Informationsquellen überhaupt. Zudem können persönliche Kontakte bei der Bewerbung sehr hilfreich sein.

Jeder hat Schwächen. Entscheidend ist, wie man mit diesen umgeht. Im oben erwähnten Zeitungsartikel trifft Herr Büchi dazu folgende Aussage: «Jetzt haben die Jugendlichen noch Zeit, Defizite auszumerzen, Lücken zu füllen und eine Verbesserung im Zeugnis sichtbar zu machen.» Wird eine Verbesserung sichtbar, zeigt der Jugendliche damit, dass er Probleme anpackt und sie erfolgreich bewältigen kann. Eine ganz wesentliche Charaktereigenschaft, die im Bewerbungsprozess äusserst hilfreich ist!
Nur: Das ist leichter gesagt als getan. Die Umsetzung des Vorhabens ist in der Regel anspruchsvoll, denn für die erwünschte Leistungssteigerung bleibt nur wenig Zeit. Ohne professionelle, zielgerichtete Unterstützung sind die Betroffenen häufig auf verlorenem Posten. Defizite müssen rasch und pragmatisch erkannt und systematisch aufgearbeitet werden. Idealerweise werden die Jugendlichen in dieser Phase eng begleitet.

Im Zusammenhang mit meiner Tätigkeit als Lernpilot (Nachhilfe-, Stütz- bzw. Förderlehrer) weiss ich aus Erfahrung, wie wirksam eine solche Unterstützung sein kann. Gut messbar wird sie zum Beispiel bei der Vorbereitung auf den Multicheck oder basic-check. Oft kommen Jugendliche zu mir, die in der ersten Testrunde schlecht abgeschnitten haben. Mit einer zielgerichteten Vorbereitung auf den zweiten Versuch kann das Resultat mit wenigen Trainingslektionen ganz erheblich gesteigert werden (Ein Merkblatt der Berufsmesse Zürich weist ebenfalls auf die Wichtigkeit einer Vorbereitung hin). Das Erbringen einer besseren Leistung ermöglicht es dem Bewerber, dem Lehrbetrieb die gemachten Anstrengungen glaubhaft darzulegen.

Weitere informative Links im Zusammenhang mit der Lehrstellensuche:  

Für weitere Links bin ich dankbar.

Freitag, 11. November 2011

Die Intelligenz ist nicht stabil

Die Unterscheidung zwischen intellektuellen Fähigkeiten und Intelligenz ist nach wie vor gang und gäbe. Dies wird mir im Gedankenaustausch mit Familienangehörigen, Freunden und Lehrerkollegen immer wieder bewusst.
Dass sich die intellektuellen Fähigkeiten bei Jugendlichen verändern können, ist unbestritten. Bei der Intelligenz jedoch scheint die Meinung vorzu­herrschen, dass diese stabil sei und ein Leben lang gleich bleibe. In diesem Fall würde sie sozusagen die unveränderbare geistige Basis jedes Menschen bilden. Eine in «Nature» vom 19. Oktober 2011 publizierte Online-Publikation stellt nun jedoch diesen alten Leitsatz in Frage und bestätigt damit meine praktischen Erfahrungen (siehe ältere Blogs).
Die Wandelbarkeit des Intelligenzquotienten (IQ) ist gemäss dieser Untersuchung sehr wahrscheinlich. Das wiederum ist eine Erkenntnis, die uns Erwachsene mehr denn je in die Pflicht nimmt. Die Intelligenz unserer Nachkommen steht in einem direkten Zusammenhang damit, wie die Kinder gefördert werden oder eben nicht. Gemäss der Studie kann sich der IQ je nach Umfeld in beide Richtungen erheblich verändern!
Die Volksschule leistet zweifellos einen wesentlichen Beitrag. Ebenso wichtig, vielleicht sogar noch wichtiger ist jedoch die Gestaltung der unterrichtsfreien Zeit. Rechnen Sie einmal durch, wie viele Stunden der Wachzeit sich Ihre Kinder nicht im schulischen Umfeld bewegen (Ferien, Wochenenden, freie Nachmittage, Feiertage etc.). In dieser vielen Zeit liegt ein enormes Potenzial! Die Eltern sollten einen Teil dieser Zeit für ihre Kinder aktiv gestalten. Nicht nur, aber auch.
Als zweifacher Vater weiss ich, wie anspruchsvoll und zeitaufwändig diese Aufgabe ist. Deshalb ist es für mich legitim, wenn sich Eltern mindestens teilweise für eine externe Betreuung durch Profis entscheiden, die wissen, wie zielgerichtet und motivierend gefördert wird. Ich freue mich, dass ich für so viele Kinder und Jugendliche im Zusammenhang mit meiner Tätigkeit als Lernpilot beigezogen werde und diese Aufgabe übernehmen darf. Denn was gibt es Schöneres, als an der erfolgreichen Entwicklung heranwachsender Menschen teilhaben zu können?

Sonntag, 7. August 2011

Selbstgesteuertes Lernen – für viele Kinder ein Problem!

Am 21. Oktober 2009 erschien in der NZZ-Onlineausgabe ein Artikel mit dem Titel «Selbstgesteuertes Lernen als neues Evangelium». Der Artikel wurde von Dr. Roger Scharpf verfasst.

Auf eine Aussage möchte ich im Folgenden besonders eingehen. Sie weist auf einen weit verbreiteten Irrtum hin: «Viele gehen davon aus, dass selbstgesteuert automatisch auch individualisiert bedeutet.»

Eltern wünschen sich, verständlicherweise, eine möglichst individuelle Betreuung für ihre Kinder in der Schule. Die Reaktion der Erziehungswissenschaft bzw. der Bildungspolitik auf diese Forderung ist unter anderem die Implementierung des selbstgesteuerten Lernens in der Volksschule. Es wird heute mit Lernplänen im Lernatelier gearbeitet. Beim Erarbeiten der Inhalte und bei der Korrektur zählt man massgeblich auf die Eigenverantwortung der Kinder.

Gerade in der Oberstufe erschwert aber die Pubertät das selbstgesteuerte Arbeiten zusätzlich. Aktuelle neurologische Erkenntnisse belegen, dass Pubertierende u.a. Mühe mit dem Planen und dem Erkennen von Unterschieden haben. Beides spricht, zumindest während dieser Lebensphase, gegen Lernplan und Selbstkorrektur. Es ist gut möglich, dass sich die zeitgenössische Pädagogik zu stark am erwachsenen, ausgereiften Gehirn orientiert.

Folgende Erfahrung stützt diese Erkenntnis: Heute kommen zunehmend Schüler zu mir in den Unterricht, die nicht mehr nur Wissenslücken aufweisen, sondern sich auch falsche Sachverhalte angeeignet und antrainiert haben. Sie haben sich offenbar selbständig eines Inhalts angenommen und diesen falsch interpretiert. Niemand hat die Fehlüberlegung erkannt bzw. korrigiert. Erst bei der Prüfung wird der Missstand dann aufgedeckt. Leider ist es dann für eine notenrelevante Korrektur zu spät.

Die Unterrichtsmethodik ist meiner Ansicht nach so oder so nicht der entscheidende Faktor für den Grad der Individualisierung. Vielmehr spielen Klassengrösse und die Bereitschaft der Lehrer zur kontinuierlichen Korrektur der Schülerarbeiten eine Rolle. Denn nur wer die Arbeiten seiner Schüler jederzeit genau kennt, kann auch individuell unterstützen.

Ein gewisser Prozentsatz der Kinder profitiert stark vom selbstgesteuerten Lernen. Vermutlich ist es aber eine Minderheit und wahrscheinlich gehören zu dieser Gruppe eher Mädchen. Viele Knaben brauchen erfahrungsgemäss klare, überschaubare Ziele, auf welche eine möglichst unmittelbare Rückmeldung erfolgt.

Für mich ergibt sich folgendes Resümee: Eine grosse Gruppe von Schülern kommt mit dem selbstgesteuerten Lernen nicht klar. Glücklicherweise fassen sie bei einem Methodenwechsel oft rasch wieder Fuss und legen dann wieder solide Leistung an den Tag. Voraussetzung dazu ist aber, dass Schüler, Eltern oder Lehrer das Problem vor einem nächsten Laufbahnschritt erkennen. Leider werden Leistungsdefizite oft erst im Zusammenhang mit einer Aufnahmeprüfung oder einem externen Leistungstest, z.B. bei der Lehrstellensuche gegen Ende der Schulzeit, konstatiert. Für Eltern lohnt es sich also, stets ein wachsames Auge auf die schulischen Leistungen ihrer Kinder zu werfen.